Tai Chi Hintergründe - Wu Tai Chi Saar

Das Tàijíquán [tʰaitɕitɕʰyan] (chin., nach Wade-Giles T’ai-chi-ch’üan) auch T’ai-Chi-Ch’uan, verkürzend Tai Chi oder chinesisches Schattenboxen genannt, ist eine im Kaiserreich China entwickelte innere Kampfkunst.

In der Volksrepublik China ist Taijiquan in zumeist stark vereinfachter Form ein Volkssport und in den Parks der Städte sieht man in den Morgenstunden tausende Menschen beim Üben der Bewegungen.

Über den Aspekt als Kampfkunst und Selbstverteidigung hinaus wird Taijiquan häufig als allgemeines System der Bewegungslehre oder als Gymnastik betrachtet, welches einerseits der Gesundheit sehr förderlich ist, andererseits der Persönlichkeitsentwicklung und der Meditation dienen kann. Besonders im Westen tritt der Kampfkunstaspekt häufig hinter diesen Aspekten zurück.

 

Entstehung der „5 Familienstile“ Chen, Yang, Wu/Hao, Wu und Sun

Die Geschichte der sogenannten 5 Familienstile lässt sich etwa bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts verlässlich zurückverfolgen. Auf diesen Stilen beruht der Großteil der heutzutage im Westen praktizierten Stile.

Damals schrieb Qi Jiguang „Die 32 Arten der Boxformen“. Obwohl darin kein Taijiquan erwähnt wurde, enthält das Buch dennoch einige Bezeichnungen für Techniken, die auch heute noch im Taijiquan zu finden sind.

Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelte Chen Wangting im Dorf Chenjiagou aus seinen bestehenden Kenntnissen der Kampfkünste einen inneren Boxstil. Wie intensiv die Einflüsse anderer Künste auf diesen Boxstil tatsächlich waren, ist jedoch nicht mehr nachzuvollziehen. Einer anderen Überlieferung zufolge brachte ein Reisender namens Chiang Fa den Stil nach Chenjiagou. Nachdem er sich dort erfolgreich einigen Herausforderungen gestellt hatte, wurde er darum gebeten, seinen Stil zu lehren.

Seit dieser Zeit wurde der Boxstil zunächst als Familiengeheimnis weiterentwickelt und tradiert. Wang Zongyue wird ein Text zugeschrieben, in dem zum ersten Mal der Begriff Taijiquan für den Boxstil verwendet wird.

Das Taijiquan der Chen-Familie wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert erstmals an einen Außenstehenden weiter gegeben: Chen Changxing (1771-1853) akzeptierte Yang Luchan (1799-1872) als Schüler im inneren Kreis der Familie. Yang Luchan entwickelte das Gelernte weiter und wurde zum Begründer des Yang-Stils. Etwas später unterrichtete Chen Qingping (1795-1868) ebenfalls außerhalb der Familie Wu Yuxiang (1812-1880).

Yang Luchan erlangte in China einen außerordentlichen Ruf durch seine sagenhaften Fähigkeiten in der Kampfkunst. Er erlangte den Beinamen „Yang, der nicht kämpft“, da er Angreifer ohne Kampf einfach von sich oder von seinem langen Stock abprallen ließ.

So wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Grundlage für die sogenannten 5 Familienstile gelegt, benannt nach den Familiennamen der Stilbegründer. Dies sind:

  • Chen-Stil (chin. 陳氏) im „alten Rahmen“ nach Chen Changxing (1771-1853) oder nach Chen Qingping im „kleinen Rahmen“ (1795-1868)
  • Yang-Stil (chin. 楊氏) nach Yang Luchan; im „großen Rahmen“ nach Yang Chengfu (1883-1936) oder im „kleinen Rahmen“ nach Yang Banhou (1837-1892)
  • Wu/Hao-Stil (chin. 武氏) nach Wu Yuxiang (1812-1880)
  • Wu-Stil (chin. 吳氏) nach Quanyou (1834-1902) und seinem Sohn Wu Jianquan (1870-1942)
  • Sun-Stil (chin. 孫氏) nach Sun Lutang (1861-1932)

Man beachte, dass das „Wu“ in „Wu Yuxiang“ ein anderes Schriftzeichen ist als in „Wu Jianquan“ – es handelt sich also um verschiedene Familien. Generell kann man in heutiger Zeit nicht mehr aus dem Namen eines Meisters auf den Taijiquan-Stil zurückschließen. Man sagt, es habe immer wieder Verbindungen zwischen den Taijiquan-Familien gegeben.

 

Ausbreitung des Taijiquan im Westen

Im Westen wurde das Taijiquan in der Mitte des 20. Jahrhunderts bekannt. Dabei tat sich insbesondere Zhèng Mànqīng (chin. 鄭曼青, W.-G. Cheng Man-ch’ing, 1899-1974) hervor. Er war von 1928-1935 ein Schüler des Yang-Stil Meisters Yang Chengfu und entwickelte eine stark verkürzte Form in 37 Bildern. Im Jahre 1949 wanderte er zunächst nach Taiwan, im Jahre 1964 dann nach New York aus. Dort begann er, seine Form zu unterrichten.

Vermutlich ist es der Einfachheit der Kurzform und der Offenheit von Zheng Manqing zu verdanken, dass sich seine Form im ganzen Westen verbreitete und damit maßgeblich zur Ausbreitung des Taijiquan im Westen beitrug. Dabei ist sowohl Zheng Manqing als auch seine Form nicht unumstritten, und seine Form wird von den Vertretern des Yang-Stils nicht anerkannt.

 

Neuere Geschichte

Seitdem sich das Taijiquan zunächst in China und später auch im Westen zunehmender Beliebtheit erfreute, ist eine sehr große Diversität von Stilen zu beobachten. Es haben sich unzählige Weiterentwicklungen, Abkömmlinge und Mischungen entwickelt, die unter der Bezeichnung Taijiquan gelehrt und praktiziert werden.

Dabei herrschen zwei Tendenzen vor:

  • Zurück zu den Wurzeln: ein Teil der Stile berufen sich auf möglichst alte, „authentische“ Wurzeln. Diese Stile tragen meistens den Namen eines der Familienstile oder auch noch älterer Stile.
  • Das Beste von Allem: der andere Teil der Stile sind Neuentwicklungen, welche die „besten“ Eigenschaften der anderen Stile kombinieren sollen. Dabei werden gerne auch Elemente aus anderen Kampfkünsten, aus dem Tanz, oder von Meditationstechniken übernommen. Ein Beispiel dafür ist das Tang Lang Taijiquan.

Im Jahre 1956 wurden von offizieller Seite in der VR China die Pekingform mit 24 Bildern eingeführt. Diese Form basiert auf dem Yang-Stil. Darauf aufbauend wurde 1976 eine Form mit 48 Bildern entwickelt, in die auch Elemente anderer Stile eingebunden sind. 1989 entstand die Form mit 42 Bildern als eine neuere Wettkampfform. Sie enthält deutlich Elemente verschiedener Stile. Im gleichen Jahr wurde auch eine Wettkampfform im Yang-Stil mit 40 Bildern vorgestellt. Seit 1999 gibt es im Yang-Stil außerdem noch eine Form mit 16 und eine mit 10 Bildern.

Die meisten in Deutschland praktizierten Taijiquan-Stile sind Varianten der offiziellen Formen oder Abkömmlinge des Chen-, Yang- oder Wu-Familienstils. Seit einiger Zeit findet auch das Taijiquan der Wudang-Tradition in Deutschland Verbreitung.

Auszüge eines älteren Wikipedia Artikels von 2006

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Taijiquan